„Stand up and Sing“ – ein stimmengewaltiges Konzert

21.12.2012 – HOCHHEIM

Grandioser Programmabschluss für Kultur in der Kirche für dieses Jahr mit dem Gospelchor „Inspiration“

(ehr) – „Es kann schiefgehen, meine Damen und Herren!“ Umsichtig bereitet der amerikanische Komponist J. Hatch sein Publikum auf eventuelles Scheitern vor. Hatte er sich doch viel vorgenommen: Dem Publikum schnell einen afrikanischen Gesang beigebracht, den er vorsang, gleichzeitig dirigierte er den eigentlichen Chor, während er dazu noch das ganze Schauspiel auf einem typisch afrikanischen Schlaginstrument begleitete.

Zu bestaunen war das Spektakel am vergangenen Sonntag in der Evangelischen Kirche. Der Arbeitskreis Kultur in der Kirche, der in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen im evangelischen Gotteshaus vorbereitet, hatte zum letzten Konzert des Jahres geladen.

Für den abschließenden musikalischen Höhepunkt des Maya-Zyklus wurde der Gospelchor „Inspiration“ aus Wiesbaden gebucht. Seit zwanzig Jahren besteht diese Sängergemeinschaft und in diesen zwei Dekaden haben sie sich zu einem der bekanntesten Gospel-Chöre von Hessen und Rheinland-Pfalz entwickelt. Im Gegensatz zum einstimmigen Beschluss des Arbeitskreises, die Inspirierten nach Hochheim zu laden, agiert der Chor sechsstimmig. Über zwanzig Musiker verteilen sich auf die Stimmen Sopran, Mezzosopran, Alt, Tenor, Bariton und Bass. Begleitet wird der Chor am Klavier von J. Hatch, der auch die muskalische Leitung innehat und das Dirigat übernimmt. Der amerikanische Pianist ist es auch, der bekannte Stücke für sechs Stimmen transskribiert oder Eigenkompositionen anfertigt. Das musikalische Handwerkszeug hat der seit vielen Jahre aktive Musiker in der Jazzmetropole New Orleans gelernt, bevor er zu seiner musikalischen Welteroberung nach Europa aufbrach. Genauso vielseitig wie der Dirigent ist auch die Sängergemeinschaft, die neben den traditionellen Gospelstücken sich auch in den Genres Jazz, Blues, Soul und Pop, Reggae und Latino wohlfühlen können.

Begonnen wurde das Konzert mit dem unter anderem von Michael Jacksons Beerdigung bekannten Gospelstück „Soon and very soon, we’re going to see the king“. „Nobody knows the trouble I’ve seen“. Mit diesem vielleicht berühmtesten Song aus der amerikanischen Sklavenzeit, einem sogenannten Spiritual, der Musikrichtung aus der der heutige Gospel entstand, ging es weiter.

In vielen Städten, in denen sie zur Weihnachtszeit vorgesungen haben, werden vor allem englischsprachige Lieder gewünscht. „Dabei gibt es eine große Menge sehr schöner deutscher Adventslieder“ erklärte Hatch, bevor der US-Amerikaner „Maria durch ein Dornwald ging“ anstimmte.

„O Brother Where Art Thou?“ ist einer von George Clooneys eher unbekannten Filmen. Der Streifen, eine Odysseegeschichte, die im amerikanischen Süden in den 30er Jahren spielt, dient als Inspirationsquelle für den Prayer-Song „Down to the River to pray“, welcher als nächstes vorgetragen wurde.

Kurz vor der Pause kam dann mithilfe des anfangs erwähnten traditionellen afrikanischen Antwortgesanges die Einbindung des Publikums. Offenbar war der Chorleiter von der Stimmenleistung der Besucher so angetan, dass er direkt den Hinweis auf suchende Mitsinger, vor allem in den Bass-Bariton Tonlagen gab.

Nach der Pause ging es mit nachdenklichen Eigenkompositionen Hatchs weiter, bevor das Programm sich dann langsam aber sicher weihnachtlich entwickelte. Spätestens bei „Stille Nacht, Heilige Nacht“ roch es nach Tannenzapfen und die Luft nach Schnee – in der Phantasie des Publikums. Abschließend gab es ein finales Medley aus verschiedenen Weihnachtsliedern.

Der Gospelchor „Inspiration“ hat durch dieses gelungene Konzert seine Ausnahmestellung unter Beweis gestellt. Dies sahen auch die in großer Zahl erschienenen Zuhörer. So war die evangelische Kirche trotz gleichzeitiger Veranstaltungen in St. Peter und Paul und der Antoniushaus-Kapelle bis auf den letzten Platz besetzt. „Ich bin mir sicher, dass dies hier die eindeutig beste Wahl war,“ meinte eine begeisterte Konzertbesucherin bei einem Gläschen Wein in der Pause. Die fünfzehn freien Minuten zwischen den beiden Sets wurden vom Publikum genutzt, um sich im angrenzenden Bistro zu erfrischen. Für den Arbeitskreis bleibt zu hoffen, dass er die hervorragende Qualität der Programmauswahl auch im nächsten Jahr beibehalten kann.

Vollständiger Pressebericht

sam

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.