Kirchheimbolanden: „Gospel Inspiration“ mit fulminantem Auftritt in der Stadthalle

„Singing, Swinging, Movin, Groovin“: Unter diesem Motto gastierte der Chor „Gospel Inspiration “ zum mittlerweile vierten Mal mit einem fulminanten Konzert in der vollbesetzten Stadthalle an der Orangerie. Auch Weihnachtliches hatte natürlich seinen Anteil am Programm.

Sorgte für eine voll besetzte Stadthalle: Gospel Inspiuration. (Foto: Stepan)

Sorgte für eine voll besetzte Stadthalle: Gospel Inspiuration. (Foto: Stepan)

RHEINPFALZ
Samstagabend 19 Uhr. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei auf 19 Personen, alle in Rot-Schwarz gekleidet. 17 davon stehen dem Publikum zugewandt im Halbkreis in sechs Kleingruppen – Frauen mit Sopran, Mezzosopran und Alt, Männer mit Tenor, Bariton und Bass. Bei einigen ist die Farbe Rot nur durch Hosenträger, Schlips oder Gürtel repräsentiert. Im Vordergrund sitzt Chorleiter Richard Swiatkowski – seit einem Jahr in Kibo zu Hause – am E-Piano; ihm zur Seite Michael Frassine zuständig für Percussion (Schlagzeug).

Der seit 1992 bestehende Chor kommt aus Wiesbaden, verfügt über sehr schöne ausgebildete Stimmen und zählt laut Werbung zu den erfolgreichsten Chören aus Rheinland-Pfalz und Hessen. Diese Einschätzung muss man nach diesem Konzert ohne Abstriche bestätigen. Kaum zu glauben ist, dass es sich nicht um einen professionellen Chor handelt, sondern er nur aus „Laien“ besteht, die lediglich einmal pro Woche Probe haben.

Unbekümmert und locker

Kennzeichnend für den Chor sind drei Dinge: Zum einen strahlen alle Akteure eine gewisse Unbekümmertheit und Lockerheit auch im Umgang miteinander aus, zum anderen wird das Publikum von Beginn an in die Darbietungen mit einbezogen – zum Beispiel mit Klatschen oder durch Aufstehen und Mittanzen –, und schließlich sind fast alle Stücke speziell für den Chor arrangiert. Häufig kennt man den Text noch, aber die Melodie wirkt etwas verfremdet, wie beispielsweise bei dem Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“. Dazu die Ansage des Moderators: „Das kennt jeder, aber nicht so!“

Es geht direkt los mit einem fotten Nawlins Medley – darunter die zwei Ohrwürmer „Down by the riverside“ und „Oh, when the saints…“. „Nawlins“ meint New Orleans, so nennen viele Einheimische ihre Stadt. Mit Bettina Ludwig und Andreas Schmitt-Neumann ergreifen danach die zwei das Wort, die für die Moderation verantwortlich sind. Jedes Stück wird kurz anmoderiert und mit etwas Hintergrundinformation versehen, Solisten werden namentlich angekündigt.

Mit dem Lied „Operator“, bei dem es darum geht, dass man mit Jesus Telefonkontakt aufnehmen will, überzeugt Kurt Finger als Bariton. „Shackles“ (Fesseln) wird von Heidi Breiling-Wierczeiko mit blonder Löwenmähne und ultrakurzem Mini im Stile einer „Soul-Röhre“ vor der Bühne direkt vor dem Publikum, das sie vorher zum Aufstehen und Mittanzen aufgefordert hat, zelebriert. Ganz anders das zwar schwungvolle, aber auch gefühlvolle Solo der Altistin Monika Hardt mit dem Welthit „Put your hand in the hand of the man, who stilled the water“, also: „Lege Deine Hand in die Hand des Mannes (Jesus), der das Wasser gestillt (beruhigt) hat“. Zum „Runterkommen“ als Kontrast das Wiegenlied „Lullaby“, das Billy Joel für eine seiner Töchter komponiert hat.

Mit Beatles-Medley in die Pause

Zwischendurch zieht eine kleine Besucherin die Aufmerksamkeit auf sich, sie marschiert ganz unbekümmert und fröhlich vor der Bühne entlang, um über eine Treppe zum Chor zu klettern. Sie wird vom Dirigenten freundlich in die Arme genommen und schließlich dem hinterher eilenden Papa wieder übergeben.

Dass die Moderatorin Bettina Ludwig auch eine starke Mezzosopran-Solostimme besitzt, stellt sie unter Beweis mit dem von einem deutschen Autor – so etwas gibt es auch – stammenden Gospel „Good day“. Der Abschluss des ersten Konzertteils ist den Beatles gewidmet. Mit einem Medley aus lauter Ohrwürmern – When I’m 64, All you need is love, Help, Let it be, Hey Jude – werden die Besucher in die Pause verabschiedet; sie belohnen die Protagonisten jetzt schon mit stehenden Ovationen.

Die zweite Hälfte des Auftritts ist Weihnachtlichem vorbehalten. Darunter auch zwei deutsche Stücke: „Maria durch ein Dornwald ging“ und „Alle Jahre wieder“, aber auch die legendären Lieder „Amen“ und „Oh happy day“. Mit dem ersten präsentiert sich Heidi als Solistin wieder eindrucksvoll vor der Bühne, das zweite wird vom Moderator Andreas mit einem ausdrucksstarken Tenor-Solo interpretiert. Das bekannte „Mary’s boy child“ – von der Gruppe Boney M in Deutschland populär gemacht – erfährt seine Darbietung im „Calypso-Style“ à la Harry Belafonte. Mit „Carol of the bells“ (Weihnachtsgeschichte der Glocken, Ukraine 1916) kommen noch zwei weitere überzeugende Solistinnen ins Rampenlicht: Die Altistin Galina Forkert, die auch ukrainische Wurzeln hat, sowie die Mezzosopranistin Andrea Honekamp.

Begeisterter Beifall

Der Schlagzeuger Michael Frassine, der bisher immer nur begleitet hat, rückt in den Mittelpunkt bei dem wunderschönen Stück „Little Drummer Boy“. Es erzählt, wie ein kleiner Trommler das Jesuskind mit seinem Trommelspiel zum Lächeln gebracht hat.

Ziemlich ausgelassen wird es bei dem offiziell letzten Stück „Jingle Bells Medley“, das mit Nikolausmützen auf dem Kopf und mit viel Pep vorgetragen wird. Als Solisten sind dabei: Die Sopranistin Scarlett Thiel sowie nochmals der Moderator Andreas.

Auf Grund des begeisterten stehenden Beifalls kommt der Chor nicht um eine Zugabe herum. „Stille Nacht“, das schönste Weihnachtslied überhaupt, mit einer englischen und einer deutschen Strophe – Publikum singt mit – lässt schon Feststimmung aufkommen. Andrea Honekamp (Mezzosopran) und Henriette Flade (Alt) interpretieren mit einem sehr gefühlvollen Solo. Da sich das Auditorium immer noch nicht zufrieden gibt, hat der Chorleiter Richard Swiatkowski schließlich ein Einsehen: „Da ich seit einem Jahr in Kirchheimbolanden wohne und Ihr ja quasi alle meine Nachbarn seid, gibt es noch eine Zugabe, und zwar ’Hallelujah’ von Leonard Cohen.“ Damit schließt sich der Vorhang nach einem begeisternden und würdigen Ende.