Gospel Inspiration überzeugt in der Schiersteiner Christophoruskirche

Wiesbadener Kurier, 21.01.2015

„Gospel Inspiration“ animiert in der Christophoruskirche zum mitgrooven. Foto: wita/Paul Müller

„Gospel Inspiration“ animiert in der Christophoruskirche zum mitgrooven. Foto: wita/Paul Müller

SCHIERSTEIN – O Happy Day, Sixteen Tons, Swing low sweet chariot: Das sind alles oft gehörte Gospelstücke, die viele Chöre im Repertoire haben. Doch einer schafft es, diesen Evergreens eine neue, frische, eigene Note aufzusetzen und hat dazu auch das perfekte Ensemble zur Verfügung, um den Stücken jede Menge Leben einzuhauchen: J. Hatch und der Chor „Gospel Inspiration“ aus Wiesbaden.

Hervorragende Solisten
Jedes Jahr gastiert der Chor im Januar in der Schiersteiner Christophoruskirche, die bis auf den letzten Platz besetzt ist, denn die Fans wissen, dass sie hier etwas Besonderes geboten bekommen: Eben nicht die x-te Version des Immergleichen, sondern Sätze, die fein abgestimmt grooven, vielen hervorragenden Solisten die Möglichkeit geben, ihre Stimme zu präsentieren und ausgeklügelte Rhythmen, die zum Mitklatschen animieren. Das Publikum hier hat auch keine Probleme, den Offbeat gleich richtig zu klatschen und zum Schluss sogar eines der Lieder mitzusingen. Denn hier sind viele Chorsänger unter den Zuschauern, die sich diesen gesanglichen Leckerbissen nicht entgehen lassen und eine Inspiration für den eigenen Chor mitnehmen wollen. Sie grooven mit und lassen sich von der guten Laune des in Rot und Schwarz gekleideten Ensembles aus rund zwei Dutzend Sängern anstecken.

Es ist nicht immer nur Gospel, sagt der Dirigent und Pianist, der zwischen den Stücken charmant moderiert. „Feel Good Music“, Musik zum Wohlfühlen, will er seinen Zuhörern bieten. Und so ist dann auch mal ein Popsong dabei wie Joan Osbornes „What if God was one of us?“ oder „Ol’ Man River“ aus dem Musical „Showboat“, für das der Chor einen wunderbaren Bassisten zur Verfügung hat.

Die Solisten besitzen alle große Klasse und viel Ausstrahlung. Auch bei den Frauen gibt es Sängerinnen, die den Profis in nichts nachstehen. Eine gut ausgesteuerte Tontechnik sorgt für idealen Sound in der poppig- bunt ausgeleuchteten Christophoruskirche. Am Schlagzeug unterstützt Michael Großmann den Chor mit den passenden Beats. Gemeinsam mit Hatch am Klavier schafft er es, zu zweit richtigen Band-Sound zu erzeugen.

Sechsstimmige Arrangements
Mehr als einmal führt die Musik in die amerikanischen Südstaaten, zum Beispiel mit dem „Nawlins Medley“ – Nawlins, so wird New Orleans dort ausgesprochen. Dort, so erklärt Hatch, wird bei Beerdigungen zunächst etwas Getragenes gespielt, wenn der Trauerzug den Friedhof wieder verlässt, wird hingegen ein fröhliches „When the saints go marching in“ intoniert: Und genau so ein Medley hat er dem Chor auf den Leib geschrieben. Sechsstimmige, anspruchsvolle Arrangements, die federleicht wirken und oft auch ganz ungewohnte Musikrichtungen zusammenbringen, sind zu hören. „Sixteen Tons“, die Klage der Kohlearbeiter, ist hier im Reggae-Rhythmus gesetzt. Den afrikanischen Ursprung des Gospels nicht zu verleugnen, ihn aber mit modernen Elementen sinnvoll zu verfeinern, hat sich der Chorleiter zum Ziel gesetzt. Langer, herzlicher Beifall beschließt das Konzert in Schierstein, die Zuhörer verlassen sichtlich beschwingt die Kirche.

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