Gospel Inspiration in der Ingelheimer Burgkirche

Mit Gospel-Klassikern und Weihnachtsliedern begeistern Gospel Inspiration bei ihrem Weihnachtskonzert – und manche Besucher können gar nicht genug bekommen.

Mit seinen eindrucksvollen Stimmen zieht Gospel Inspiration die Zuhörer in seinen Bann. (Foto: Thomas Schmidt)

INGELHEIM – Zur Eröffnung präsentiert Gospel Inspiration ein temporeiches Medley aus Gospel-Klassikern. Das Piano-Vorspiel lässt „The Battle of Jericho“ anklingen, weiter geht es mit „Just A Closer Walk With Thee“, „Down by the Riverside“ und „When the Saints go marching in“. Es ist das fünfte und letzte Konzert in der Vorweihnachtszeit in der Ingelheimer Burgkirche. Und eine besonders schöne Gelegenheit, sich noch einmal auf das nahe Weihnachtsfest einzustimmen. Denn rund um die Kirche locken die Buden des Weihnachtsmarktes unzählige Gäste nach Ober-Ingelheim, und ein solches Konzert bietet sich als Abschluss eines schönen Sonntagabends an. Auch die Kirche ist fast bis auf den letzten Platz besetzt. Einigen Gästen hat dabei Gospel Inspiration anscheinend so gut gefallen, dass sie sich nach einem früheren Konzert in der Kirche St. Remigius gleich ein zweites Mal unter die Zuhörer mischten. Das ergab eine kurze Umfrage von der Bühne herab.
Alle durften sich auf ein starkes, abwechslungsreiches Konzert freuen. In der ersten Hälfte dominieren die großen Gospel-Klassiker. So etwa „Operator“, das davon erzählt, wie es wäre, Jesus einmal ans Telefon zu bekommen, oder „Down in the River to pray“, im mehrstimmigen A-cappella-Arrangement vorgetragen. Ein Titel, der auf keinem Gospelkonzert fehlen darf, ist „Shackles“, das Solistin Heidi Breiling-Wierczeiko mitten im Publikum vorträgt und die ganze Kirche dazu anregt, auf den Plätzen mitzutanzen. Als ruhiger Kontrast dient direkt in der Folge ein weiterer großer Klassiker: „Amazing Grace“. An die Herkunft des Gospels aus Liedern, die von schwarzen Sklaven in den Vereinigten Staaten gesungen wurden, erinnert Moderator und Sänger Andreas Schmitt-Neumann, ehe der Chor „Deep River“ anstimmt, nach einem Arrangement von Bandleader Richard Swiatkowski. Mit einem Beatles-Medley verabschieden sich Gospel Inspiration in die Pause.


In der zweiten Hälfte wird es dann richtig weihnachtlich. Nicht mehr nur Gospel-Songs stehen auf dem Programm. Mit einer bewegenden Darbietung von „Maria durch ein’ Dornwald ging“ aus dem 19. Jahrhundert zeigt Gospel Inspiration, dass sie sich auch auf Arrangements traditioneller deutscher Weihnachtslieder versteht. In der Regel aber verleiht der Chor auch den Titeln der zweiten Hälfte einigen Swing. Zu „Light of Christmas Morn“ brillieren Sopranistin Scarlett Thiel und Alt Henriette Flade im Duett, und während „Amen“ bringt einmal mehr Breiling-Wierczeiko das Publikum tänzerisch auf Trab. Ein Höhepunkt der zweiten Hälfte ist „Carol of the Bells“, dessen ukrainische Wurzeln der Chor offenlegt, indem Galina Forkert die zweite Strophe auf Ukrainisch vorträgt. Das offizielle Programm beschließen unter anderem „Little Drummer Boy“ und „Mary, did you know?“ Mit den Zugaben steigt die Laune noch einmal: „Jingle Bells“ wird mit klingelnden Hüten und Rentiergeweihen inszeniert und geht nahtlos über in das fröhliche „Feliz Navidad“. Ganz zum Schluss ertönt dann mit „Stille Nacht“ natürlich auch noch das beliebteste deutsche Weihnachtslied.

Allgemeine Zeitung, Sören Heim vom 17.12.2019