GOSPEL INSPIRATION bot professionelles Niveau

Mit Herzblut und voller Inspiration

Befallsstürme für Gospelchor in Meisenheim

Die Rheinpfalz Kusel, Ausgabe 01.02.2017 (von Markus Henz)

Den Eindruck, die den aus Wiesbaden und Umgebung kommende Formation GOSPEL INSPIRATION in der „Perle am Glan“ bei Ihren beiden ersten Auftritten vor einigen Jahren hinterlassen hatte, muss wohl ein sehr nachhaltiger gewesen sein, denn die Meisenheimer Schlosskirche war beim 3. Gastspiel am Sonntag voll besetzt. Und erneut begeistert der Chor aus acht Männer- und 10 Frauenstimmen, dem Schlagzeuger Florian Hollingshaus und Chef J. Hatch am Keyboard vom Fleck weg.

Auch wenn das Intro eher verhalten daherkam, der Chor steigerte sich schon beim ersten Titel: „What if God was one uf us“ fesselte und animierte zugleich, so dass eifrig im Rhythmus mitgeklatscht wurde. Im ganzen Konzert wurden Lichteffekte zur dezenten Unterstützung der jeweiligen Stimmung genutzt. Pianist und Chorleiter Hatch ließ die Zügel bewusst lang, wusste er doch, dass er sich auf seine Leute blind verlassen kann. Auch wenn es sich wohl überwiegend um Laien handelt, die da zu Werke gingen, wurde doch bei der Vielzahl der absolvierten Auftritte ein hochprofessionelles Niveau erreicht, das seinesgleichen sucht. Darüber hinaus verfügt GOSPEL INSPIRATION in allen Stimmlagen über Sänger, die auch solistisch überzeugen und den jeweils übernommenen Part mit Herzblut erfüllen.

So gab es neben fetzigen, rhythmusbetonten Titeln auch getragene Melodien, die durch ihre Gefühlsintensität bestachen. Höhepunkte wurden immer wieder besonders dadurch hervorgehoben und unterstrichen, dass sie unbegleitet daherkamen. Etwa bei „Rock my soul“, bei dem auch die gesamte dynamische Bandbreite, über die der Chor verfügt, zur Geltung kam. Wobei auch erfahrene Chorsänger unter den Besuchern einmal mehr mit Verwunderung zur Kenntnis nahmen, dass alles von jedem auswendig vorgetragen wurde. Was naturgemäß der Konzentration auf die musikalische Ausgestaltung zu Gute kam.

Ein weiteres Plus waren die meist von J. Hatch erarbeiteten Arrangements die weit über das hinausgingen, was in diesem Genre üblich ist. Da konnte er mit den Pfunden wuchern, die er als versierter Jazzpianist zur Verfügung hat. Aber auch die Gattung Pop war mit „You’ve got a friend“ vertreten. Folkloristisches aus Irland mit „Minstrel boy“ und südamerikanische Salsarhythmen hielten bei „Joshua fit the battle of Jericho“ Einzug ins altehrwürdige Gotteshaus, indem die Besucher auch mucksmäuschenstill das musikalische Geschehen verfolgten, wenn, wie nach der Pause bei „Were you there, wenn they crucified my lord“ die Gefühlsintensität derart stark war, dass wahre Gänsehautschauer den Rücken herunterliefen. Funky-Jazz war angesagt bei „Ain’t no rock“ und nach dem fast schon unvermeidlichen, aber völlig neuem Gewand daherkommenden „Swing low, sweet chariot“ leiteten ein schier unendlich scheinendes, aber zu keinem Zeitpunkt langweiliges Klaviersolo den krönenden Abschluss ein. Dabei trieb Hatch das Ensemble und das Auditorium, das zuvor im genretypischen Frage-Antwortspiel geübt worden war, zu wahren Höchstleistungen hin. Klar, dass mehrere Zugaben fällig waren und mit dem sicher von vielen längst sehnsüchtig erwarteten „Amen“ auch gewährt und vom Publikum mit Beifallsstürmen gefeiert wurden.